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Die Seiten der KĂŒstenwĂŒstenschule “Sol Naciente” in PachacĂștec, Lima, Peru

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Brief aus der Hitze in die KĂ€lte - 6. Februar 2003

Hallo Ihr armen Erfrierenden, ich habe gehört, dass ihr ganz schön friert...

Ich muss dafĂŒr umso mehr schwitzen, aber nachdem ich mich einigermasen akklimatisiert habe, soweit das in so kurzer Zeit und solchen UmstĂ€nden möglich ist, kann ich Euch ja meine Umgebung und die Aufgabe hier beschreiben.

Die anfĂ€ngliche ErnĂŒchterung und der Schock ĂŒber die unĂŒbersehbare Armut hat sich noch nicht verflĂŒchtigt, aber meine Einstelleung zu dem ganzen hat sich verĂ€ndert und macht es mir so einfacher die RealitĂ€t hier zu akzeptieren.

Es ist einfach eine unglaublich arme Gegend, in der die Schule steht. Der Ort heißt Pachacutec und befindet sich ca 1,5 Stunden von meinem derzeitigen Wohnort in Callao, Lima (bei Manuela). Wenn man von Pachacutec ins Zentrum Limas möchte, muss man schon etwa 2,5 Stunden reisen (siehe auch Lage). Das ist also die Fahrtzeit vieler Menschen in Pachacutec, falls sie das GlĂŒck haben, Arbeit in Lima gefunden zu haben. Meist besteht diese arbeit aber eher aus dem Verkauf von diversen Dingen, wie z.B Kleinigkeiten zu Essen etc.

Im moment sind die sogl. vacaciones utiles in Pachacutec - Ferien, in denen ein Nachhilfeprogramm fĂŒr die schlechteren SchĂŒler stattfindet. Die wirkliche Schule fĂ€ngt erst am 17. MĂ€rz an.

Die Schule ist eine bunte Oase im KĂŒstenwuestendorf. Im Gegensatz zu den restlichen HĂŒtten aus Holz oder Wellblech der Umgebung ist es recht luxuriös. Es hat eine Toilette, wenn auch ohne fließendes Wasser. Jeden Tag kommt ein Lastwagen und verkauft Wasser, welches in FĂ€ssern aufbewahrt wird.

Die Leute hier bauen sich eine HĂŒtte aus geflochtenen MaisblĂ€ttermatten und Brettern. Je lĂ€nger sie hier leben, desto "nobler" wird ihre WohnstĂ€tte. Es ist sehr traurig fĂŒr mich und wahrscheinlaich vor allem fĂŒr die Menschen hier, zu wissen, dass sie wahrscheinlich frĂŒher, bevor sie in die Stadt zogen, recht gut gelebt haben. Unter Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen auf dem Land, doch mit guter Luft, sauberem Wasser, Landwirtschaft, ihrer Familie, die in Peru eine sehr wichtige Rolle spielt etc. Was sie hier erwartet ist grĂ¶ĂŸtenteils eine WĂŒste ohne Wasser. Es scheint fast ein wenig wie eine Gespensterstadt, obwohl sehr viele Menschen hier leben.

Um mit all dem extrem anderen, den Lebensunterschieden, der Hoffnungslosigkeit, umgehen zu können, werde ich versuchen, mir durch Hilfe fĂŒr die Menschen um mich herum selbst zu helfen. Ich hoffe diese Rechnung wird aufgehen.

Bei all diesen eher trostlosen Tatsachen meines Berichtes will ich aber auch unbedingt all das Positive erwÀhnen!

Die Menschen sind trotz der UmstĂ€nde recht lebensfroh. Es wird sehr viel gelacht, gesungen und gewitzelt. Am meisten wird gelacht, wenn ich nicht mitlache und aus GrĂŒnden der VerstĂ€ndigungsprobleme nur verstĂ€ndnislos vor mich hin schaue.

Die Kinder sind sehr interessiert an meinem Nasenring und können es einfach nicht glauben warum ich so was haben möchte. Meine weiße Hautfarbe hat im Bus schon großes Staunen ausgelöst. Ein kleines MĂ€dchen hat mich gefragt ob ich mir sehr oft die HĂ€nde wasche...

Die Stadt selbst, dort wo ich wohne, ist einfach bombastisch. Und dabei habe ich noch nicht einmal das Zentrum besucht. Es ist alles so lebendig, es pulsiert regelrecht. Die Straßen sind voll mit Menschen, der Verkehr ist ein Erlebnis fĂŒr sich. Die MĂ€rkte sind voll von Farbe, GerĂŒchen, FrĂŒchten und GemĂŒsen die ich nicht einmal vom Namen her kenne. Es wird fast nie wirklich still, immer ist irgendwas los und komischerweise fĂŒhle ich mich wie ein Teil davon.

Auf der Fahrt zur Schule erlebe ich immer vieles was mich immer wieder aufs Neue beeindruckt. Es sind kleine Busse, die Fahrt (1,5 Stunden) kostet ca. 40 US Cent und ist ein wahres Abenteuer. Es steigen alle möglichen Leute ein, MĂ€nner mit SĂ€cken voll toter HĂŒhner, um sie auf den Markt zu bringen, Eimer voll mit Fisch, Bretter fĂŒr einen Hausbau usw. Gestern ist eine Frau mit einem wirklich riesigen BĂŒndel von Maisstauden eingestiegen und alles hat nach einem Maisfeld geduftet.

Meine Aufgabe in der Schule wird erst im MĂ€rz anfangen, aber bis dahin bin ich trotzdem in der Schule, um alles kennenzulernen. Derweil sind wir, die andere Lehrerin Rachel und ich, dabei einen Lehrplan fĂŒr Englisch herzustellen. FĂŒr 6 Klassen. Ich hab so was noch nie gemacht und sie spricht derzeit noch kein Englisch. Aber wir werden beide das fehlende erlernen und uns perfekt ergĂ€nzen. Juhu!

Im großen und ganzen geht es mir also gut und ich glaube es wird eine wirkklich wichtige Erfahrung fĂŒr mich werden. Ich freu mich aber natĂŒrlich ganz besonders auf das reisen im Land in meinem “Urlaub”. Das Land scheint eine endlose Überraschung zu sein. Ich freue mich so sehr es zu erkundschaften.

Hasta la proxima, Jora Steidl

 

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