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Aktuell: Eine Zwischenbilanz!

Unser JubilÀum! -
20 Jahre PĂ€dagogik fĂŒr die WĂŒste

Die Seiten der KĂŒstenwĂŒstenschule “Sol Naciente” in PachacĂștec, Lima, Peru

Liebe Freunde der Schule “Sol Naciente”

Wir möchten uns im Namen der Schule "Sol Naciente" an dieser Stelle ganz herzlich fĂŒr ihre Hilfe und ihr Engagement bedanken!

Wir hoffen, dass Sie unsere Schulegemeinde auch im nĂ€chsten Jahr weiter unterstĂŒtzen und begleiten werden! Unsere Schulgemeinde ist nach wie vor auf Hilfe von außen angewiesen, Peruaner sind kaum fĂŒr ihre Sozialprojekte zu begeistern. Um unser Bestehen zu sichern, mĂŒssen wir immer noch auf die UnterstĂŒtzung und finanzielle Hilfe aus Deutschland bauen.

WĂ€hrend es bei uns in Deutschland immer kĂ€lter wird und der Winter und die Weihnachtszeit immer nĂ€her rĂŒcken, geht in Peru in unserer Schule "Sol Naciente" ein weiteres ereignisreiches und erfolgreiches Schuljahr zu Ende. Die peruanischen Sommerferien stehen vor der TĂŒr und es ist an der Zeit, einen kurzen RĂŒck- und Überblick ĂŒber das vergangenen Jahres zu verschicken.

Wie auch wĂ€hrend der letzten Jahre, war das Schuljahr 2006 eine große Herausforderung fĂŒr unsere Schulgemeinde "Sol Naciente". Sowohl die Schule, als auch das Armenviertel PachacĂștec haben sich wĂ€hrend des letzten Jahres verĂ€ndert und rasant weiterentwickelt.
Die Zeit steht nirgends still, aber in der Randsiedlung PachacĂștec (nach dem Flughafen, zwischen Ventanilla und AncĂłn) scheint die tĂ€gliche VerĂ€nderung, hin auf eine weitere Vorstadt im Norden Limas, extrem schnell stattzufinden.

PachacĂștec hat sich wĂ€hrend des letzten Jahres enorm vergrĂ¶ĂŸert und entwickelt. Wo bis vor einigen Monaten noch unbewohnte DĂŒnen und HĂŒgel existierten, hat die Regierung ĂŒber Nacht neue Baracken aus dem Boden gestampft, um die tĂ€glich neu eintreffende Bevölkerung, die ursprĂŒnglich vom Land kam, aber Zwischenstation bei stĂ€dtischen Verwandten machte, im Stadtrand unter den Armen anzusiedeln. Anfangs beschrĂ€nkte sich der gelegentlich illegale Einmarsch („Invasion“) auf ein Gebiet oberhalb des Pazifischen Ozeans. Heute haben sich die HĂŒtten und einfachen HĂ€user bis hinunter zum Meer ausgebreitet, das damit seine Sauberkeit verloren hat. Es besteht kein Zweifel, PachacĂștec ist enorm gewachsen!

Manuelas erste Schule entstand vor 23 Jahren. Als unsere Schule vor 8 Jahren gebaut wurde, bestand PachacĂștec aus einer kleinen Gruppe von ca. 100 Familien. Noch vor 3 Jahren wohnten in der Randsiedlung lediglich 100.000 Familien. Diese Zahl hat sich bis heute mindestens vervierfacht und sie wird auch in den kommenden Jahren weiter in die Höhe schießen.

PachacĂștec besteht aus einfachen HĂŒtten, welche die Menschen aus dem ihnen zugĂ€nglichen oder erschwinglichen Material selbst bauen. An der Bauweise und dem Material der HĂŒtten kann man erkennen, wie lang die Familien schon in der Randsiedlung leben. Mit der Zeit werden die anfĂ€nglichen Bastmatten und Plastikfolien durch stabilere Materialien, wir z.B. Holz und zum Teil sogar einfache Mauern ersetzt („material noble“).

PachacĂștec ist nach wie vor ein "pueblo joven" eine "junge" Stadt, ein Provisorium. Die meisten Wege sind immer noch einfache Schotter- und Sandpisten und es gibt nur vereinzelte geteerte Strassen. Auch die Wasserversorgung ist nach wie vor schwierig. Die Siedler sind auch heute noch darauf angewiesen, ihr Wasser fĂŒr den alltĂ€glichen Gebrauch von einem Tankwagen fĂŒr einen sehr hohen Preis zu kaufen. Es kursiert jedoch das GerĂŒcht, dass die Regierung plant, Wasserleitungen in PachacĂștec zu verlegen. Das wĂŒrde auch das Problem der nicht existierenden Kanalisation teilweise lösen. Auch die Stromversorgung hat sich in den letzten Jahren verbessert. Es gibt sogar in einigen Teilen der Siedlung vereinzelte Straßenlaternen, so vor unserer Schule.

PachacĂștec wird von Tag zu Tag grĂ¶ĂŸer, und mit der stĂ€ndig anwachsenden Zahl von Einwohnern steigt auch die KriminalitĂ€t in der Randsiedlung. Leider wurde auch unsere Schule von dieser neuen Entwicklung nicht verschont. WĂ€hrend des letzten Schuljahres wurde in "Sol Naciente" mehr als zwei Mal eingebrochen. Die Diebe suchten die neu installierten Kabel, deren Wert an sich nicht sehr hoch ist, aber da nun fast alle Siedler Zugang zu ElektrizitĂ€t haben, einen hohen praktischen Wert besitzen.

Die Schulgemeinde ĂŒberlegt derzeit, wie man die Schule besser gegen zukĂŒnftige EinbrĂŒche zu schĂŒtzen könnte. Da es zu teuer wĂ€re, die Schule komplett abzusichern, in dem man z.B. eine Umfassungsmauer baut oder die Holzpalisaden verstĂ€rkt, wird diskutiert, ob man stattdessen nicht besser einen einzelnen sicheren Raum mit richtigen Mauern bauen könnte, in dem die "wertvolleren" Dinge, wie z.B. der Sicherungskasten, der PC und die BĂŒcher der Schule ĂŒber Nacht gelagert werden könnten.

Des Weiteren stehen folgende VerÀnderungen und Erneuerungen in der Schule "Sol Naciente" an:

Toiletten
Ein wichtiges, bzw. das wichtigste Projekt fĂŒr das kommende Schuljahr ist die Erneuerung der Toiletten. Die vor 8 Jahren gegrabenen Gruben fĂŒllen sich stetig und es ist an der Zeit, eine neue Lösung zu finden.

Palisaden/Schulzaun
Außerdem mĂŒssen einige Palisaden im Schulzaun erneuert werden, da die Meeresbrise, der Sand und der Wind das Holz enorm abnĂŒtzen und damit die Schwachstellen Einbrecher ermutigen, in die Schule einzudringen.

Erweiterung Pausenhof
Ein weiters Projekt ist die Erweiterung des Pausenhofs. Das NachbargrundstĂŒck einer ehemaligen Lehrerin soll zu einem Freundschaftspreis aufgekauft und in die Schule integriert werden. Es bestĂŒnde vielleicht die Möglichkeit, auch die Gruben fĂŒr die neuen Toiletten auf diesem angrenzenden GrundstĂŒck auszugraben. Oder hier den Schulgarten („biohuerto“) anzulegen, der in den nĂ€chsten beiden Jahren eines der Schulziele ist.

Schulspeisung
Wir hoffen, dass die Landesstiftung Baden-WĂŒrttemberg ĂŒber die SEZ =Stiftung Entwicklungszusammenarbeit fĂŒr die Schulspeisung uns und unserer Zwillingsschule El Sembrador montlich je 250 Euro, d.h. 10 Euro pro Tag und Schule spenden wird. Das bedeutet dass die Buchhaltung auch das Schulgeld umfassen muss, das theoretisch 1 Sol pro 1 Tag pro 1 Kind betrĂ€gt, aber oft nicht eintreibbar ist.

Polo, der Direktor der Schule, ist im Moment dabei, die Buchhaltung von "Sol Naciente" per Excel ĂŒbersichtlicher zu gestalten. Roberto, ein großer Freund der Schule, weist ihn derzeit in die Arbeit mit Excel ein. Wir hoffen, dass die Abrechnungen so ĂŒbersichtlicher und fĂŒr uns leichter nachvollziehbar werden! Peru ist nicht Deutschland, und es ist fĂŒr die Peruaner demnach nicht immer verstĂ€ndlich, warum wir Deutschen so darauf pochen, eine genaue Abrechnung und Darlegung der Ausgaben zu bekommen. Wir hoffen, dass sich dies mit Hilfe der ĂŒbersichtlichen Exceltabelle verbessern wird.

Polo, Manuelas Bruder und "Nachfolger" ist eine sehr wichtige Figur in der Schulgemeinschaft, und ohne ihn wĂ€re die Organisation und Verwaltung der Schule "Sol Naciente" nahezu unmöglich! Er steht um 5 Uhr spĂ€testens auf, fĂ€hrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Stunden, und ist jeden Morgen der erste in der Schule, um gegen 7 Uhr die TĂŒren aufzuschließen. Und der letzte, der abends die Schule verlĂ€sst, um zurĂŒck nach Lince/Lima zu fahren. Aber vor allem ist er ein Veteran, den wir gut kennen und dem wir mit einiger UnterstĂŒtzung des Diplom-Physikers Roberto, der mit einer Kölnerin verheiratet ist und Entwicklungspolitik in Deutschland studiert hat, das Regeln der Finanzen anvertrauen können.

Des Weiteren gibt es zu berichten, dass wir im August zwei unserer Lehrerinnen fĂŒr ein dreiwöchiges Praktikum nach Brasilien schicken konnten. Die Erzieherinnen Naldi (diplomiert an La Cantuta) und Karina hatten die Möglichkeit, die fĂŒr ihre Effizienz und ihren Erfolg weltweit bekannte Favela "Monte Azul", ein Armenviertel in Sāo Paulo, kennen zu lernen und vor Ort in einem Waldorfkindergarten zu hospitieren. Die beiden Lehrerinnen haben die eindrucksreiche Zeit in Brasilien damit verbracht, unter der persönlichen und umso mehr dankenswerten Anleitung von Ute Craemer neue Eindrucke und Ideen zu sammeln, um diese im nĂ€chsten Schuljahr in unserer Schule einzubringen und zu etablieren.

PachacĂștec wĂ€chst jeden Tag, aber es gibt mittlerweile viele Schulen im Armenviertel und unsere Existenz rechtfertigt sich nur, wenn wir ein besonderes Konzept anbieten und uns bewusst von den ĂŒbrigen Schulen unterscheiden. Im Gegensatz zu den Regelschulen versucht die Schule "Sol Naciente " einen anderen und fĂŒr Peru neuen pĂ€dagogischen Weg zu gehen. Dieser Weg basiert zum Teil auf dem Konzept der Waldorfschule und von anderen reformpĂ€dagogischen Richtungen (wir bewundern Paulo Freire, Freinet und Encinas). Mahatma Gandhi forderte: „Schule fĂŒr das (Über-)Leben und durch das Leben selbst“. Den Unterscheid zwischen Ideal und Anwendung gilt es zu ĂŒberbrĂŒcken. Im Allgemeinen versucht unsere Schule die Kinder als wirkliche Personen wahrzunehmen und ihnen so viel Wissen und Lebenspraktisches mit auf den Weg zu geben, wie es nur möglich ist.

Nach wie vor haben wir sehr kleine Klassen. Im Gegensatz zu anderen Schulen kann der Unterricht in "Sol Naciente" auf einer persönlicheren Ebene stattfinden und ist somit kindgerechter als die sonst ĂŒblichen Klassen mit bis zu 50 Kindern pro Lehrperson. Leider werden wir gar nicht vom Staat unterstĂŒtzt, sondern wir unterstĂŒtzen den Staat. Und so mĂŒssen wir nach wie vor ein Schulgeld von 30 Soles (ca. 8 €/Kind) pro Monat verlangen. Viele Familien können sich diesen Betrag nicht leisten und sind auf ein Teil-Stipendium angewiesen. Ein Grossteil der aus Deutschland kommenden Spenden wird eingesetzt, um Teile der LehrergehĂ€lter zu bezahlen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen im Namen der Schule "Sol Naciente" fĂŒr ihre Hilfe und ihr Engagement!

Konrad Borst und Jora Steidl

 

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