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Die Seiten der Küstenwüstenschule “Sol Naciente” in Pachacútec, Lima, Peru

Aktuell: Eine Zwischenbilanz!

Unser Jubiläum! -
20 Jahre Pädagogik für die Wüste

Neuigkeiten um Mitternacht - ein Telefonat zur billigsten Stunde

Meine sehr lieben Wohltäter unserer Schule, es ist jetzt 1 Uhr 30 frühmorgens-mitternachts und ich habe billigst eine Stunde lang mit Manuela gesprochen und bin informiert, und bevor ich's vergesse, gebe ich alles weiter.

Unsere alte Schule Yanapay, um die die Vorstadt Sobrinos e Hijos del Almirante Grau bei Ventanilla gewachsen ist, und die sie nunmehr sogar mit Internetcafés eingekreist hat, ist wieder zum Leben zurück gekommen.

Sie war dreckig, niemand hat jemals etwas repariert, und ich darf sie ja dank Ayúdame nach Gutdünken zur Verfügung  stellen, und so hat Frau Ludmila, Direktorin der Partnerschule Buen Pastor, die privat in der Nähe wohnt, mit mir zusammen die Restauration begonnen. Wir haben für 500 Euro Farbe direkt in der Fabrik gekauft und jetzt sieht alles anders aus, Frau Ludmila fühlt sich froh wie ein Kind, sie hat Vorhänge aufgehängt und hat als Entwicklungshilfe-Veteranin einen guten brauchbaren Plan für ihren Kinderhort, für den Nachfrage besteht.

Am 3. April war Einweihung. Wir setzen die Tradition fort, Förderer unserer Schule zu Paten/Patinnen (hier: Padrinos) der Schulräume zu machen. Somit diesmal in Anerkennung für Zuwendung über so viele Jahre Ele Lange und Bruni Georges (siehe Helfende Hände). Da sie nicht persönlich anwesend sein können, vertritt sie unsere tüchtige, 20 Jahre alte Praktikantin Jora (=Yora in Perú) Steidl würdig.

Beruhigend, für mich, Konrad, daß die Erste Schule Yanapay wieder blühen wird. Frau Ludmila begann, den ganz Kleinen Vollwert-Zusatznahrung zu bieten.

In Pachacútec feierten wir auch den Anfang des Schuljahres (31. März), und haben zum ersten Mal eine professionelle Direktorin, Iris Quispe, 32, von außen angeheuert (Gehalt anfänglich 200 Euro, Zielgehalt bis 500) und wir hoffen auf einen ganz neuen Wind, und vor allem hat diese Frau insgesamt 7 Jahre Pädagogik studiert.

Manuela läuft sich nach wie vor in den Instanzenwegen die Schuhe ab, um beim Klinkenputzen bei Behörden, die nicht etwa besser und bürgerfreundlicher geworden sind, u.a. die staatliche Anerkennung aufrecht zu halten. Man nennt diese Tätigkeit "Tramitador", und das bedeutet eufemistisch, "der die Eigenheiten der Behörden kennt und Amtliches gegen ein Honorar erledigt". Manuela wäre die erste weibliche Tramitadora von Peru!

Natürlich haben während Manuela’s dreimonatiger Abwesenheit die doch recht spontan reagierenden Erzieherinnen die Kinderkopf- und Grund-Steuern nicht bezahlt, trotzdem sie es ihnen eingeschärft hatte, und inzwischen muß das doppelte als Bußgeld bezahlt werden. Wie immer regt sie das sehr auf.

Und wir müssen feststellen, daß sogar Schülereltern zu denen gehören, die alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist, und wäre Manuela länger als drei Monate in Deutschland geblieben, hätte sie vielleicht von der Schule nur noch ein paar Pfosten von den Palisaden und einige Holzbretter gefunden.

Furchtbar ist auch die Bevölkerungszunahme (Als ich 1960 einwanderte, waren es zwölf Millionen Peruaner, heute 2003 sind es dreißig Millionen). Manuela spricht sehr drastisch aus, daß die Leute nicht motivierbar sind, ihre Familien zu planen. Einen einfachen "Rosenkranz" mit verschiedenfarbigen Perlen, den eine US-Stiftung zur Zählung der unfruchtbaren und der fruchtbaren Tage verbreitet, hält Manuela bei ihrer Bevölkerung für ebenso schwer zu benutzen wie eine Aufgabe der Trigonometrie zu lösen. Dabei gibt es auf jedem Volksmarkt Kräuterweible, die für fünf Euro genug wunderbare speziale Urwaldpflanzen zur unschädlichen Geburten- beschränkung für zwei Jahre verkaufen, aber auch das ist den Randsiedlerinnen zu viel Voraussicht, zu viel Mühe, sie möchten weiterhin Kinder in die Welt setzen, die sie dann nach den kurzen Jahren einer in Peru meist sehr glücklichen Kleinkindheit ab der Pubertät schon ins Familien- und Erwerbsleben entlassen, d.h. die Eltern sind zu ignorant und zu niedrig angesiedelt, um ihren Kindern einen Schonraum jenseits der verfassungsmäßigen Schulpflicht zu bieten (die steht ohnehin nur auf dem Papier), nicht zu reden von der bis fast zum Alter von 30 Jahren dauernden Ausbildung in Deutschland.

Jedes Häsle findet a Gräsle (“cada niño nace con su pan bajo el brazo”), das stimmt zwar irgendwie, weil Kinder Gottesgeschenke sind. Aber Menschen müssen vorankommen können, sonst klauen sie ihren Lebensunterhalt. Und das Panorama der Welt und das von Perú verlangt fast zu viel von den Eltern, um bei der Vermittlung an ihre Kinder Schritt zu halten mit den komplexen und dauernd sich wandelnden Inhalten der heutigen Welt...

Manuela hat bei diesem Thema Familienplanung resigniert. Sie läßt die Sache eben laufen.

Insgesamt freue ich mich über ihre Nachrichten, obwohl Manuela mir gegenüber (und ich hier in diesem Brief) kein Blatt vor den Mund nimmt und schimpft - aber sie ist mit Entschlußkraft bestrebt, sich selbst überflüssig zu machen, denn es geht um die Zukunft ohne uns und darum, die ganz genau richtigen Schritte bei den Behörden zu tun, mit denen auch sonst bestens studierte Leute nicht umgehen können. Deshalb der Beruf der Tramitadora.

Liebe Grüße an alle, die dies lesen.

NIL DESPERANDUM.

Konrad Borst

Manuela Castañeda de Borst

 

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